Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache

Darum geht die Debatte


Am 26. Januar 2010 begann die Sammelfrist für die Eidgenössische Volksinitiative ‘Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache – Entlastung der Krankenversicherung durch Streichung der Kosten des Schwangerschaftsabbruchs aus der obligatorischen Grundversicherung’.

Laut Initiative soll der Bundesverfassungsartikel 117 (Kranken- und Unfallversicherung) durch einen 3. Absatz ergänzt werden. Dieser Absatz lautet wie folgt:

3) Unter Vorbehalt von seltenen Ausnahmen seitens der Mutter sind Schwangerschaftsabbruch und Mehrlingsreduktion im Obligatorium nicht eingeschlossen.

Von welchen Ausnahmen hier die Rede ist, wird offen gelassen. In Betracht kommen Vergewaltigungsopfer bzw. Frauen, die aus gesundheitlichen Gründen kein Kind bekommen sollten. Aber das ist Spekulation. Schade, dass die Initianten hier nicht Farbe bekannt haben.

Die Initiative sieht auch noch eine Übergangsbestimmung vor. Zu diesem Zweck wird der BV Artikel 197 durch Ziff. 8 ergänzt. Der Wortlaut dieser Übergangsbestimmung lautet:

8. Übergangsbestimmung zu Art. 117 Abs. 3 (Kranken- und Unfallversicherung)

Nach Ablauf einer Übergangsfrist von neun Monaten nach der Annahme durch Volk und Stände wird bis zum Inkrafttreten der geänderten Bundesgesetzgebung jede Bestimmung, welche den Schwangerschaftsabbruch oder die Mehrlingsreduktion obligatorisch versichert, durch die Regelung von Artikel 117 Absatz 3 der Bundesverfassung ersetzt.

Debatte http://abtreibungsfinanzierung.politnetz.ch
Geschrieben 2. Februar 11:39, Mé La - Piraten
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Habe ich da was nicht mitgekriegt? Wird man wieder ohne eigenes zutun schwanger? Das ist wohl in den wenigsten Fällen so! Aus welchen Gründen man sich immer für einen Geschlechtsverkehr entscheidet - dass das dabei entstehende Leben danach einfach nicht "ins Lebenskonzept" passen soll ist doch komisch. Da werden eigene Ziele auf Kosten des absolut Schwächsten, des Ungeborenen, verfolgt. Es gibt viele wirkungsvolle Mittel, Schwangerschaften zu vermeiden - ohne dass das entstehende Leben "beseitigt" werden muss. Vorsorgen und etwas bedachter ins Bett steigen - das wär doch auch ein Ansatz? Und nicht speziell teuer.
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Ein recht polemischer Ansatz. In der Theorie wissen die allermeisten, wie man verhütet, in der Praxis geschehen manchmal andere ("komische") Dinge. Bestimmt ist Ihnen auch schon ein Fehler passiert. Wir sollten die Nöte von ungewollt Schwangeren ernst nehmen.
David H - Piraten 28. Mai 2010 Verstoss melden
Würde den Beitrag nicht gerade als "polemisch" bezeichnen. Wenn sicher ein bisschen Ironie mitspielt. Und klar passieren auch mir Fehler. Aber das mit den Fehlern - hat in meinen Augen seine Grenzen. Insbesondere wenn ein Vermeiden relativ einfach wäre und die Tragweite relativ gross ist. Auch wenn der Vergleich stark hinkt: auch ein Raser nimmt den Tod von andern in Kauf, wenn er seinem Spass freien Lauf lässt...
Samuel Mettler - EVP 28. Mai 2010 Verstoss melden
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Tolles Thema, weil es mal wieder existenziell die Rechte der Frauen tangiert. Ich wünsche es niemandem sich diesen Frgen stellen zu müssen und den Best möglichen Entscheid für sich und seine Familie fällen zu müssen. Kinder sind keine Wirtschaftsfaktoren mit denen man staatliche Finanzen steuern kann. Menschen, die sich die Aufgabe zutrauen in einem Zeitpunkt ihres Lebens diese Aufgabe zu übernehmen, brauchen die Unterstützung ihrer Mitmenschen. Und diejenigen, die aus welchen sehr persönlichen Gründen auch immer, diesen Schritt zu einem bestimmten Zeitpunkt im Leben nicht auf sich nehmen können, brauchen unsere Solidarität ebenfalls!!!
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Es gab bereits Voten, die behauptet haben, dass es illusorisch sei, dass weniger abgetrieben werden würde, wenn nicht mehr die Grundversicherung für die Kosten einstehen müsste...

Ob dem so ist, sei einmal dahingestellt.

Besteht nicht die Möglichkeit, dass gerade wenn eine öffentliche Debatte über die Finanzierung einer Abtreibung stattfindet und es tatsächlich zur Annahme der Initiative kommen würde, eine grössere Sensibilisierung für die Problematik erreicht werden könnte? Dh. dass bspw. der Verhütung ein grösserer Gewicht beigemessen wird, da man weiss, hey, die bezahlen das nicht mehr einfach so... ?

nur ein Gedanke...
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Das ist so wie wenn man jemanden, der zu keinem bestimmten Ziel fahren will daran erinnert, dass der Ort an den er NICHT hinfahren will eine Roadpricing Abgabe verlangt.

Mé La - Piraten 6. März 2010 Verstoss melden
hm, ich hab das wohl falsch formuliert:

Durch die Diskussion über die Initiative soll eine höhere Sensibilisierung erreicht werden, dass es eben doch und trotz Verhütung zu ungewollten Schwangerschaften kommen kann... Dass die Sensibilisierung nicht über das Argument "es wird nicht mehr bezahlt", sondern darüber läuft, dass überhaupt eine Diskussion stattfindet...

Ihr Beispiel zieht allerdings nicht ganz. Es ist ja nicht so, dass wenn jemand sexuell aktiv ist, nicht weiss, dass er bzw. sie schwanger werden könnte. Klar will er und/oder sie das vielleicht nicht, aber zu wissen, dass die Möglichkeit besteht, dass es doch so kommt und dass damit Kosten verbunden sind, ist doch etwas anderes als ihr Beispiel.

Wenn Sie dieses dahingehend abändern, dass jemand auf einer Strasse unterwegs ist und an eine Abzweigung kommt und gesagt bekommt, hey, auf einer Seite fallen Kosten an durch Roadpricing und auf der anderen Seite nicht... welche es ist, weiss ich aber nicht... Der FahrerIn muss sich also entscheiden. Wenn er weiterfährt, nimmt er das Risiko in Kauf, im entsprechenden Ort zu zahlen. Das wissen um die Möglicheit der Bezahlung kann aber auch dazuführen, dass er sich dazu entschliesst, NICHT weiterzufahren bzw. umzukehren...

Analoges gilt auch punkto Abtreibung. Wenn Mann und Frau miteinander schlafen, besteht das Risiko schwanger zu werden. Nehme ich dieses in Kauf, nehme ich auch eine allfällige Schwangerschaft in Kauf. Durch die öffentliche Debatte über Privatfinanzierung einer Abtreibung, kann das m.E. dazu führen, dass diese Problematik vermehrt ins Bewusstsein vor allem junger Menschen rückt...
Adrian Zehnder 9. März 2010 Verstoss melden
Sicher rückt diese Initiative die ganze Abtreibungsdiskussion noch einmal ins Bewusstsein der Leute. Allerdings bin ich nicht gewillt jetzt alle 10 Jahre eine solche Sensibilisierungskampagne im Schutze der Volksinitiative mitzuerleben. Eine Plakatserie mit Statistiken die zeigen, dass immer weniger verhütet und immer mehr abgetrieben wird, vielleicht mit ein paar sowohl negativen wie positiven Zeilen von Frauen die abgetrieben haben, hätten die Leute sich auch sensibilisiert.
Mé La - Piraten 9. März 2010 Verstoss melden
Aber hätten sie das selbe mediale Echo bekommen? Wohl kaum!...

und ich finde es durchaus sehr wichtig, dass wir uns wieder und wieder mit dieser Thematik auseinandersetzen! Weil es nicht richtiger wird, nur weil etwas mal angenommen worden ist...
Adrian Zehnder 16. März 2010 Verstoss melden
Aus meiner Sicht ist das mediale Echo zu dieser Initiative noch ziemlich verhalten und grenzt sich auch stark auf ein paar wenige Plattformen ein (was dann gut und gern auch als Lamentieren im Elfenbeinturm bezeichnet werden kann).
Die "Zielgruppe" dieser Diskussion sitzt im Augenblick in der Schule, wo wahrscheinlich andere Themen an der Tagesordnung stehen. Ich bleibe dabei, dass dies eine wenig effiziente Sensibilisierungsmassnahme ist.
Mé La - Piraten 16. März 2010 Verstoss melden
Nun ist es ja so, dass in der Schweiz bereits EXTREM gut verhütet wird. Die Abtreibungszahlen steigen nicht, sie sinken. Wir haben die niedrigste Abtreibungsrate in ganz Europa – ja fast weltweit. Warum wohl? Weil eben gut verhütet wird. Wir müssen also unsere Sexualerziehung und die Medienarbeit betr. Verhütung ganz einfach wie bisher weiter führen. Dazu brauchen wir keine derart frauen-diskriminierenden Initiativen.
Anne-Marie Rey 11. Juni 2010 Verstoss melden
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Wozu brauchen wir denn mehr Kinder?
Mé La - Piraten 16. März 2010 Verstoss melden
Und vor allem können Sie doch nicht einfach den Frauen die Entscheidung abnehmen, ob sie ein ungewolltes Kind bekommen oder nicht. Muss eine Frau für die Bevölkerungsentwicklung gegen ihren Willen ein Kind auf die Welt setzen? Stellen sie sich mal vor, es würde jemand zu Ihnen kommen und von ihnen verlangen, etwas für die Gesellschaft zu tun aber nur sie persönlich müssten die Konsequenzen dafür tragen...
Die Emanzipation der Frau wird ihnen wohl gelehrt haben, dass wir keine Gebärmaschinen sind.
Janine Ecknauer 1. April 2010 Verstoss melden
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Der Entscheid abzutreiben fällt keiner Frau leicht und die Abtreibung wird sicher nicht die Verhütungsmittel ersetzen. Wenn dieser Entscheid aber gefallen ist, ist es wichtig, dass die Abtreibung medizinisch korrekt durchgeführt wird. Die Kosten bei Komplikationen fallen für die die Krankenkassen bzw. deren Prämienzahler viel höher aus. Es ist deshalb richtig, dass die Krankenkassen die Kosten der Abtreibung übernehmen und für eine professionelle Betreuung gesorgt ist.
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Zurecht verweist Harald Jenk auf die höheren Kosten durch die Folgen unsachgemässer Abtreibungen. Mich beunruhigt ebenso der Umstand, dass vor allem Frauen in einer schwierigen finanziellen Situation aus Verzweiflung und Not zu fragwürdiger Hilfe griffen. Eine medizinisch korrekt durchgeführte Abtreibung wäre faktisch Frauen in gesicherten finanzieller Verhältnisse vorbehalten. Als jene, die weniger davor Angst haben müssen, ihr Kind gut betreut zu wissen.
Roland Näf - Grossrat Bern, SP 4. März 2010 Verstoss melden
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Nein, es ist intolerant dass Sie die Finanzierung verweigern aufgrund der Annahme, dass das Leben richtiger ist als der Tod, wobei diese These nicht bestätigt werden kann.
Sie entziehen anderen Menschen aufgrund einer unbewiesenen These ihre Freiheit und die Möglichkeit unabhängig von der finanziellen Kapazität entscheiden zu können, ob sie bereit für ein Kind sind. Denn ein Kind ist eine grosse Aufgabe und Verpflichtung die nur mit Liebe bewältigt werden kann.
Oder wollen Sie die Adoption fördern damit die katholischen Kinderheime mehr "Nachschub" haben?
Ich bin Pazifistin und finanziere die Armee auch mit. Ich kann mir immerhin einreden dass ich damit den Konservativen wenigstens die Illusion von Schutz bieten kann, auch wenn es mir nicht passt.

Mé La - Piraten 3. März 2010 Verstoss melden
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Stellen sie sich vor: Sie leiden an einer Trisomie21 (downsyndrom) und laufen in Bern an einem Samstagnachmittag die Strasse runter. 92% aller Menschen die sie kreuzen hätten sie nur wegen ihrer Behinderung abgelehnt. Ja, diese 92% hätten über ihr Leben gesagt: Dieses Leben ist nicht lebenswert. Oder vielleicht: die Belastung ist mir zu gross.

Dies ist eine unermessliche Ungerechtigkeit.

Das akzeptieren der Abreibung ohne Grund löst ethisch hoch komplexe Probleme aus. Denn jede Mutter und jeder Vater wünscht sich ein gesundes Kind.
Wir sprechen über die Diskriminierung von Menschen mit einer Behinderung, wir sprechen über Diskriminierungen wegen der Hautfarbe. Aber warum akzeptieren wir nicht, dass die belegte Zahl von 92% eine hochwertige Diskriminierung ist?

Es gibt hier keine Wenn und Aber.
30 Kommentare
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Meiner Ansicht nach sind wir bereits aus biologisch-systemischen Gründen quasi von Natur aus Genoisten, ob nun bewusst oder unbewusst.
Letzten Endes finde ich dass wir so wenig über das Leben und das Sterben wissen, dass ich anhand meines Wissens nicht rechtfertigen kann irgend eine andere Person in ihrer Freiheit einzuschränken.
Mé La - Piraten 26. Februar 2010 Verstoss melden
Jeder macht was er will und niemand sagt etwas dazu, da jeder für sich verantwortlich sein soll. Diese Meinung relativiert ALLES.

Es geht hier nicht primär um Freiheit – es geht darum, dass eine ganze Meschenmasste (in diesem Falles Personen mit Downsyndrom) diskrimieniert wird – und dies im Namen der Freiheit. Das geht nicht auf.
Matthieu J - Parteilos 26. Februar 2010 Verstoss melden
Diskriminierung findet täglich statt wenn es um Gesundheit geht. Das ist der Lauf der Dinge.
Mé La - Piraten 27. Februar 2010 Verstoss melden
Und darum soll man es tolerieren?
Matthieu J - Parteilos 1. März 2010 Verstoss melden
Von "sollen" war nie die Rede: Genoismus liegt in der Natur (des Menschen), und ich behaupte dass sich daran aufgrund dieser Initiative nichts ändern wird. Erst recht nicht wenn finanziell schwache des Rechtes beraubt werden, frei zu entscheiden ob sie Eltern werden wollen. Wenn bereits finanzschwache Menschen auch noch ein Kind mit einer Behinderung bekommen (sollen), kann man davon ausgehen dass es entweder an Geld oder an Zeit für das Kind fehlen wird.
Mé La - Piraten 1. März 2010 Verstoss melden
Was hat mehr Gewicht:
Jemandem die Freiheit zu nehmen oder einem Kind mit Behinderung das Leben zu entziehen?

Die Antwort dürfte klar sein.
Matthieu J - Parteilos 1. März 2010 Verstoss melden
Gerne würde ich mehr Meinungen zu diesem Thema hören – insbesondere der Abtreibungsbefürworter.
Matthieu J - Parteilos 1. März 2010 Verstoss melden
Was hat mehr Gewicht:
Jemandem die Freiheit nehmen aufgrund einer Annahme die nicht bestätigt werden kann oder ein Kind auf die Welt zu zwingen, das nicht einmal von seinen Eltern geliebt wird.

Rein zufällig bin ich Abtreibungsbefürworterin.
Mé La - Piraten 1. März 2010 Verstoss melden
Kann ein Fötus diskriminiert werden, wenn er noch kein Bewusstsein hat?

Man muss den einzelnen Fötus betrachten. Für diesen kommt es nicht drauf an, ob er eine Behinderung hat oder nicht. Jede Abtreibung gleich "schlimm", egal ob es sich um ein behindertes Kind handelt oder nicht.

Solange es innerhalb der erlaubten Frist geschieht, ist es meiner Meinung nach keine Diskriminierung und auch kein Mord, weil es sich noch nicht um eine Person handelt. Es kommt niemand zu Schaden.

Findest du es auch diskriminierend, dass weniger agile Samenzellen keine Chance auf eine natürliche Befruchtung haben?

Diskriminierung kann nur existierende Personen betreffen. Die entscheidende Frage ist natürlich, wann eine Person beginnt zu existieren. Wenn dies vor dem Ablauf der gesetzlich erlaubten Frist wäre, dann wäre eine Abtreibung Mord, wenn nicht, dann ist es auch keine Diskriminierung.
David H - Piraten 1. März 2010 Verstoss melden
Etwas zynisch betrachtet könnte man in den 92% Ablehnung und Missachtung durch die Mitmenschen im späteren Leben auch ein Argument für eine Abtreibung sehen.

In dieser Hinsicht lässt sich aus den 92% aber sowieso nichts ableiten: Wir wissen nicht, in wie vielen Fällen überhaupt eine pränatale Diagnose zwecks Erkennen von Trisomie 21 durchgeführt wurde. Wir wissen auch nicht, wie hoch die Erkennungsrate ist. Wir wissen nicht, ob nur die Frau oder auch der Mann die Entscheidung getragen hat.

Schliesslich wissen wir auch nicht, wie und wo diese 92% ermittelt wurden. Doch selbst dann wäre die Behauptung mit den 92% diskriminierenden Bernern komplett aus der Luft gegriffen.

Ganz abgesehen davon spielt die Frage der Diskriminierung hier sowieso keine Rolle. Entweder ist die Abtreibung innert Frist in Ordnung oder sie ist es nicht. Die grosse Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer hat sich jedenfalls 2002 an der Urne für die Fristenlösung entschieden.

Nebenbei: Das Schweizer Volk hat 2002 ja nicht nur die Fristenlösung angenommen, sondern auch mit über 80% der Stimmen die "Initiative für Mutter und Kind" verworfen, welche der Frau kurz gesagt das Selbstbestimmungsrecht in Sachen Abtreibung komplett entzogen hätte. Die nun lancierte Initiative "Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache" stammt mehr oder weniger aus derselben Ecke.
Oliver aus Zürich - jf 2. März 2010 Verstoss melden
@ Olivier
Warum sollten die 92% für die Abtreibung sprechen?

Seien wir ehrlich. Für was wird die pränatale Untersuchung gemacht? Wenn in der pränatalen Untersuchung die Diagnose Trisomie21 festgestellt wird, so wird das in den allermeisten Fällen ein Grund zur Abtreibung sein.
Die Frage der Abtreibung betreffend Diskriminierung spielt sicherlich eine grosse Rolle: Bei im Mutterleib diagnostizierten schwersten Behinderungen dürfen selbst lebensfähige Kinder bis zur Geburt abgetrieben werden.


Das oben genannte Beispiel ist nicht aus der Luft gegriffen. Es handelt sich um eine Person die das Downsyndrom hat... (es ist also nicht nur eine Zahl) und es ist absolut falsch zu denken, dass diese Personen später die allgemeine Meinung der Gesellschaft nicht spüren – nähmlich, dass solche Menschen eigentlich abgetrieben hätten werden sollten. Diese Bermerkung habe ich übrigens schon öfters gehört.

@ David H
Ab der 10 Woche spürt ein Baby/Fötus die Gefühle der Mutter. In der 12 Woche ist der Mensch fertig geformt (Herz, Lungen,...) und muss nur noch wachsen. Ab der 24 Woche ist ein Baby überlebensfähig. Spätabreibungen werden bis zur 24 Woche durchgezogen. Dass ein Fötus kein Bewusstsein hat, kann nicht gesagt werden. Mann kann auch nicht sagen, ob das Bewusstsein nach der Geburt da ist.

Ich bin absolut einverstanden, dass Diskriminierung nur an existierenden Personen geschehen kann. Doch wann eine Person existiert, kann nicht ermittelt werden. Das ist reine Definitionssache.
Matthieu J - Parteilos 2. März 2010 Verstoss melden
Dass ein Fötus ein Bewusstsein hat, kann nicht gesagt werden. Man kann auch nicht sagen, ob das Bewusstsein bereits bei der Geburt da ist. Also ich persönlich kann mich an nix erinnern.

Wenn das Downsyndrom diagnostiziert wurde sollte die Entscheidung bei den/der Person/en liegen, die die Verantwortung übernehmen müssen, die einen grossen Teil ihres Lebens, ihrer Zeit, ihrer Energie und ihres Geldes in diese "Leibesfrucht" investieren müssen oder dürfen, damit sie einigermassen "gedeiht".

Das Kind zu bekommen nur damit man sich "nicht die Hände schmutzig" gemacht hat um es dann zur Adoption freizugeben kann ja wohl auch keine Lösung sein. Denn es gibt nicht so viele adoptionswillige Eltern die sich um behinderte Kinder reissen. Das ist also kein Problem dass konkret nur bei der Abtreibung besteht.

Mé La - Piraten 2. März 2010 Verstoss melden
Ja, das kann nicht schlüssig ermittelt werden. Es ist auch Definitionssache, ob Tieren nicht auch das Recht auf Leben eingeräumt werden müsste, wenn man menschliches Leben so schützt.

Die wichtige Frage ist für mich, wie wir mit jenen Babys umgehen, die wir tatsächlich zur Welt bringen. Es ist absolut inakzeptabel, wenn Behinderte als gesellschaftlich unerwünscht angesehen werden – da bin ich einverstanden. Eltern dürfen auch nicht unter Druck gesetzt werden, abzutreiben. Es muss ganz allein der Entscheid der Eltern sein, und diesen gilt es ohne Wenn und Aber zu akzeptieren und unterstützen.
David H - Piraten 2. März 2010 Verstoss melden
Stimme da mit dir voll überein.
Mé La - Piraten 2. März 2010 Verstoss melden
Für mich ist die Frage, wann das Leben beginnt immer noch nicht geklärt.
Darum meine Meinung: eher vorsichtig als fahrlässig sein.

Bezüglich Spätabtreibung bei Behinderung:
Hand aufs Herz. Würden Sie ein Kind mit Behinderung abtreiben?

Mit den Tieren können wir uns nicht vergleichen - sonst dürfte es nur noch Vegetarier werden und jedes Raubtier müsste zur Rechenschaft gezogen werden ;-)
Matthieu J - Parteilos 9. März 2010 Verstoss melden
Logisch ist die Frage für Sie noch nicht geklärt, ab wann das Leben schützenswert ist. Das liegt wohl daran, dass es niemand weiss.

Wissen tun wir aber dass die Leute, die das Kind nicht wollen echte Menschen sind. Und dabei bleibe ich. Ich lasse hier die Vorsicht in Bezug auf das Definitive und nicht auf das Mögliche walten.

Da ich so oder so jedes Kind abtreiben müsste da ich seit meinem 11. Lebensjahr weiss, dass eine Schwangerschaft bei mir die Gefahr einer Queschnittlähmung mit sich bringt, kann ich generell sagen dass es für mich egal ist wie behindert ein Kind wäre. Allerdings denke ich nicht dass viele Menschen das "Privileg" haben, diese Entscheidung bereits abgenommen bekommen zu haben. Andere Antworten auf diese Frage?

Wer sagt dass wir uns nicht mit Tieren vergleichen nicht dürfen? Wenn man sich mit den Tieren vergleicht dann hat das mit Vegetarismus nicht zwangsläufig etwas zu tun (wie Sie danach im Grunde selber richtig stellen indem Sie die Menschlichen Moralwerte auf ein Raubtier anwenden wollen, welches ja keinen Vegetarismus praktiziert)...



Mé La - Piraten 9. März 2010 Verstoss melden
OK, ich frage anders:
Falls der Kinderwunsch bei Ihnen irgendeinmal so gross ist, dass Sie dieses Risiko auf sich nehmen -- und die Diagnose (z.B. Downsyndrom) würde festgestellt. Würden Sie das Kind behalten? Und wenn nicht, aus welchen Gründen würden Sie abtreiben?
Matthieu J - Parteilos 9. März 2010 Verstoss melden
Das ist eine hypotethische Frage die ich ausser Stande bin zu beantworten, weil ich mir mich mit Kinderwunsch gar nicht vorstellen kann, so "unnatürlich" das jetzt klingen mag.
Mé La - Piraten 9. März 2010 Verstoss melden
Sorry wenn ich diese alte Diskussion nochmals aufwärme. Ich teile die Meinung von Matthieu J. Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht auch etwas befangen, da ich recht häufig mit behinderten Kindern zu tun habe. Ein Mensch mit Downsyndrom ist in der heutigen Zeit absolut fähig ein würdiges und erfülltes Leben zu führen. In unseren Breitengraden liegt die Lebenserwartung von Menschen mit Downsyndrom sogar bei 60-70 Jahren.
Von den meisten Menschen die ich in meinem Leben getroffen habe, waren denn auch die Menschen mit Downsyndrom die fröhlichsten und liebsten. Auch diese Menschen haben es verdient wenigstens eine Chance fürs Leben zu kriegen.
Zur Frage zum Fötus:
In diesem kleinen Ding steckt, das habe ich schon anderswo geschrieben, das ganze Potential für einen späteren Menschen. Ich finde es relativ müssig hier über einen Stichtag zu debattieren, an dem das Leben beginnen soll. Abtreibung ja, aber nur wenn wirklich schwerwiegende Gründe vorliegen.
Charles Schnyder von Wartensee - JCVP 11. Juni 2010 Verstoss melden
@Mathieu. „Ab der 10 Woche spürt ein Baby/Fötus die Gefühle der Mutter. In der 12 Woche ist der Mensch fertig geformt (Herz, Lungen,...)“
Das ist Unsinn. Vor der 20. Woche ab Befruchtung kann ein Fötus rein gar nichts spüren („Gefühle der Mutter“ - die ja noch gar nicht Mutter ist - noch weniger...). Sein Gehirn ist dazu noch zu wenig entwickelt. Die Lunge ist auch erst zu diesem Zeitpunkt soweit entwickelt, dass ein Frühgeborenes künstlich beatmet werden kann.

@David. „Diskriminierung kann nur existierende Personen betreffen.“ Das ist genau richtig. Und eine Person existiert frühestens ab Geburt. Unser Zivilgesetzbuch sieht das auch so. (Es gibt allerdings Philosophen, die den Beginn des Personseins einiges später ansetzen). Bei einem Schwangerschaftsabbruch nach Pränataldiagnose wird daher nicht einem „Kind mit Behinderung das Leben entzogen“, sondern es wird die Geburt eines behinderten Kindes verhindert, weil sich das betroffene Paar dieser Belastung nicht gewachsen fühlt.
Anne-Marie Rey 11. Juni 2010 Verstoss melden
Als Beispiel: Wenn die Frau vergewaltigt wurde, oder sie bei der Geburt schwere gesundheitliche Schäden oder gar den Tod in Kauf nehmen müsste.
Das Thema ist schwierig, und Fragen wie sie Matthieu J an Mé La gestellt hat, sind nur schwer zu beantworten, wenn man solch eine Situation noch nie erlebt hat.
Gruss
Charles Schnyder von Wartensee - JCVP 11. Juni 2010 Verstoss melden
@Anne-Marie Rey
Das steht in jedem Geburtenratgeber. Es es die Medizin sieht, kann ich nicht sagen. Eine Bekannte von mir hat ihr Baby mit 6 Monaten (24 Wochen) geboren und es lebt.
Matthieu J - Parteilos 21. Juli 2010 Verstoss melden
@Matthieu. Sie bringen in Ihrer Argumentation verschiedenes durcheinander.

1) Es wurde bereits oben festgehalten, dass Abtreibung nach Feststellung einer Trisomie in der Pränataldiagnostik keine Diskriminierung von behinderten Menschen bedeutet, weil Föten noch keine Personen sind. Es geht um die Vermeidung der Geburt eines behinderten Kindes (weil sich die potentiellen Eltern dem nicht gewachsen fühlen), nicht um die Diskriminierung von Behinderten.

2) Nur etwa 2% aller Schwangerschaftsabbrüche werden aus Gründen einer fötalen Missbildung (nicht nur Trisomie 21, sondern auch andere) vorgenommen. Und diese 2% würden vermutlich auch bei Annahme der unsäglichen neuen Anti-Abtreibungs-Initiative weiterhin durch die Krankenversicherung bezahlt (die Initiative sieht Ausnahmen vom Zahlungsverbot vor). Diese ganze Diskussion hier hat also nichts mit der Initiative zu tun.
Anne-Marie Rey 21. Juli 2010 Verstoss melden
Matthieu schreibt: „Wann eine Person existiert, kann nicht ermittelt werden. Das ist reine Definitionssache.“ – Richtig. Am besten, denke ich, wir gehen vom schweiz. Zivilgesetzbuch aus: „Die Persönlichkeit beginnt mit der vollendeten Geburt“.

„Für mich ist die Frage, wann das Leben beginnt immer noch nicht geklärt.“ – Sie drücken sich unklar aus. „Leben“ als solches begann einmal vor Jahrmillionen. „Menschliches Leen“ beginnt nie, es wird von Generation zu Generation weiter gegeben (Samen- und Eizellen sind auch menschliches Leben). Sie meinen eigentlich: „Ab wann ist der Mensch ein Mensch, eine Person?“- dazu siehe oben (ZGB Art. 31).
Anne-Marie Rey 21. Juli 2010 Verstoss melden
„Eine Bekannte von mir hat ihr Baby mit 6 Monaten (24 Wochen) geboren und es lebt.“ – Ja, ab der 24. Woche besteht eine (geringe) Überlebenschance für Frühgeborene, allerdings mit einem erheblichen Risiko für bleibende Schäden. Aber: dass ab der 10. Woche ein Fötus Gefühle der Schwangeren spüren soll, das ist entwicklungsmässig schlicht unmöglich. Siehe dazu http://www.svss-uspda.ch/de/facts/biologie.htm . Auch wenn so was in irgendwelchen „Geburtenratgebern“ stehen sollte, ist es trotzdem Unsinn. Ich glaube kaum, dass das so wirklich in einem seriösen Buch steht.
Anne-Marie Rey 21. Juli 2010 Verstoss melden
Sie haben Recht, dass dieses Thema nur bedingt mit dieser Initiative zu tun hat. Mir scheint aber, dass solche Gedanken bei solchen Themen zu wenig Platz haben. Es geht eben nicht nur um die Mutter. Es geht auch um ein Kind.

Das Argument, dass sich Eltern mit einem "behinderten" Kind überfordert fühlen, ist für mich nicht gerechtfertigt. Wir können im Leben nicht alles wählen und das für uns Unpassenden ablehnen. Zum Glück, denn gerade harte Zeiten machen Menschen zu besonders schönen Geschöpfen.

Setzen Sie sich mal in die Situation einer Person mit Downsyndrom.
Würden Sie sich diskriminiert fühlen wenn über 90% der Menschen die Sie begegenen Ihre Art von Person abgetrieben hätten, nur weil Sie ... so und so sind.
Matthieu J - Parteilos 21. Juli 2010 Verstoss melden
@ Anne-Marie Rey
Unser Gesetzt ist nicht absolut. Es ist relativ komplex den Anfang des Lebens zu definieren. Aber gerade desswegen, weil es ein sehr heikles Thema ist, sollte man besonders vorsichtig sein. Würden Sie also ein 24 Wochen altes Baby das zu früh zur Welt kommt noch nicht als Mensch bezeichnen. Sie würden es lieben. Und warum sollte dieses Kind wenn es noch im Bauch ist, noch nicht als Mensch definiert werden?
Matthieu J - Parteilos 21. Juli 2010 Verstoss melden
Wenn das Baby mit 24 Wochen lebend zur Welt kommt, ist es ein Mensch. Das Menschsein beginnt mit der Geburt (mit dem ersten Atemzug, biblisch gesagt). Der Fötus hingegen ist noch nicht als Mensch zu definieren. Ich denke unsere Neuregelung des Schwangerschaftsabbruchs sagt dies sehr gut: Die Gründe für einen Schwangerschaftsabbruch (bzw. das gesundheitliche Risiko für die Schwangere) müssen umso gewichtiger sein, je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist. D.h., dem vorgeburtlichen Leben kommt mit fortschreitender Entwicklung ein wachsender moralischer Wert zu.
Anne-Marie Rey 21. Juli 2010 Verstoss melden
@Matthieu:

"Wir können im Leben nicht alles wählen und das für uns Unpassenden ablehnen. Zum Glück, denn gerade harte Zeiten machen Menschen zu besonders schönen Geschöpfen."

Diese Aussage ist ein glatter Schlag ins Gesicht eines jeden, der mit den "harten Zeiten" eben schlicht nicht klar kommt oder mit einem behinderten Kind ganz einfach überfordert ist. Ausserdem verkennen Sie damit die Ausgangslage der Diskussion: Hier geht es ja gerade darum, dass im Rahmen des gesetzlich Erlaubten eben gerade eine Wahl besteht - ob man das nun aus religiösen oder moralistischen Gründen gut findet oder nicht.
Oliver aus Zürich - jf 21. Juli 2010 Verstoss melden
Und hier ist schon der grosse Paradox. Ein 24 Wochen altes Kind das zu früh zur Welt kommt wird mit 6 Monaten als Mensch bezeichnet. Bleibt das gleiche Baby jedoch im Mutterleib, zählt es nicht als Menschen.

@ Olivier
Einverstanden, dass Sie die Wahl haben, ob und wann Sie ein Kind wollen. Aber Hand aufs Herz. Alle wünschen sich ein gesundes Kind und da ist die Gefahr sehr gross, dass ein Baby nur wegen seiner Behinderung abgetrieben wird. Das ist moralisch nicht vertretbar.
Matthieu J - Parteilos 21. Juli 2010 Verstoss melden
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Ich verstehe durchaus was Sie meinen! Im Falle einer Vergewaltigung oder einer schweren Krankheit der Mutter hat man ja bereits heute besondere Bestimmungen, die würden auch mit der Initiative übernommen (man denke nur an den gesunden Menschenverstand der Politiker) .
Interessant wird die Debatte doch bei jenen Frauen die nicht verhüten (oder deren Männer!).
Dafür kann das Kind ja dann nichts, es ist unmenschlich und lebensverachtend das Kind dann zu töten.
Da die Allgemeinheit heute aber von einem allgemeinen Recht auf Abtreibung für die Frau zu beharren scheint, kann Abtreibung als solches nicht verboten werden (realpolitisch nicht mehr durchsetzbar).
Ich finde es aber auf eine Art pervers, dass man einem Lebewesen ein Recht auf Leben zuspricht, einem anderen aber nicht.
Wir hatten es in der Geschichte leider schon genügend, dass gewisse Menschen "wissen", welches Leben lebenswerter ist und welches nicht.
Diese moralische und ethische Entwicklung in unserer Gesellschaft macht mir sehr zu schaffen.
Wenn jemand schon abtreiben muss, sollen die Kosten auch von den betreffenden übernommen werden.

Es scheint wirklich einen moralischen Zerfall und einen Verlust an Eigenverantwortung in unserer Gesellschaft zu geben.
Schade eigentlich
Charles Schnyder von Wartensee - JCVP 23. Februar 2010 Verstoss melden
Ich verstehe durchaus was Sie meinen! Im Falle einer Vergewaltigung oder einer schweren Krankheit der Mutter hat man ja bereits heute besondere Bestimmungen, die würden auch mit der Initiative übernommen (man denke nur an den gesunden Menschenverstand der Politiker) .
Interessant wird die Debatte doch bei jenen Frauen die nicht verhüten (oder deren Männer!).
Dafür kann das Kind ja dann nichts, es ist unmenschlich und lebensverachtend das Kind dann zu töten.
Da die Allgemeinheit heute aber von einem allgemeinen Recht auf Abtreibung für die Frau zu beharren scheint, kann Abtreibung als solches nicht verboten werden (realpolitisch nicht mehr durchsetzbar).
Ich finde es aber auf eine Art pervers, dass man einem Lebewesen ein Recht auf Leben zuspricht, einem anderen aber nicht.
Wir hatten es in der Geschichte leider schon genügend, dass gewisse Menschen "wissen", welches Leben lebenswerter ist und welches nicht.
Diese moralische und ethische Entwicklung in unserer Gesellschaft macht mir sehr zu schaffen.
Wenn jemand schon abtreiben muss, sollen die Kosten auch von den betreffenden übernommen werden.

Es scheint wirklich einen moralischen Zerfall und einen Verlust an Eigenverantwortung in unserer Gesellschaft zu geben.
Schade eigentlich
Charles Schnyder von Wartensee - JCVP 23. Februar 2010 Verstoss melden
bitte entschuldigen Sie den Doppelpost, die Internetverbindung hat ein wenig gehinkt :)
Charles Schnyder von Wartensee - JCVP 23. Februar 2010 Verstoss melden
Lieber Charles Schnyder von Wartensee, es ist einfach Realität, dass Frauen ihre Schwangerschaften unterbrechen; das hat es immer, in jedem Zeitalter, in jeder Gesellschaf und in jeder Schicht gegeben und keine Regelung wird das je ändern. Es ist richtig, dass Frauen ihre eigenen Kräfte einschätzen können und sich je nach dem für eine Schwangerschaft oder eben einen Abbruch entscheiden. Für ein Kind ist das überlebenswichtig. Es bringt keinem Kind was, wenn es ausgetragen, dann aber in seiner Entwicklung nicht getragen wird.

Die Frage die sicht doch stellt ist, wie wir als Gesellschaft mit dem Fakt des Schwangerschaftsabbruches umgehen wollen. Ich könnte es nicht verantworten, wenn Frauen wegen fehlender finanzieller Unterstützung wieder anfangen müssen, kochendes Wasser oder Stricknadel einzuführen.

So oder so kann ich sagen, es gibt wirklich nichts unmenschlicheres, als von einer Frau zu verlangen, dass sie ein ungewolltes Kind austrägt. Die körperlichen Veränderungen sind so massiv, so einschneidend, das kann man einfach keiner Frau auferzwingen.
Lea Kusano - Stadträtin Bern, SP 23. Februar 2010 Verstoss melden
Herr Von Wartensee: Sie schreiben, die Allgemeinheit scheine auf dem "Recht auf Abtreibung für die Frau zu beharren".

Diese Bemerkung ist kaum angebracht. Immerhin hat der Souverän die Fristenlösung damals klar und deutlich angenommen. Wenn man die Volksabstimmung als basisdemokratisches Mittel zur Konsensfindung verstehen will, dann hat sich die Allgemeinheit - wenn das überhaupt zum Thema gemacht werden soll - darauf geeinigt. Die "gewissen Menschen", die hier - um bei Ihren Worten zu bleiben - über "lebenswertes Leben" entschieden haben, sind insofern das Schweizer Volk in seiner Gesamtheit.

Aber eben: Es geht ja an sich auch nicht nur um das nach wie vor sehr umstrittene ungeborene Leben, sondern vor allem um das unbestrittenermassen schon sehr lebendige Leben der jungen Frau.

Da es sich bei der Abtreibung im Rahmen der Fristenlösung um einen dem Volksentscheid entsprechenden medizinischen Eingriff handelt, war und ist m.E. nicht einzusehen, weshalb dies nicht von der Grundversicherung übernommen werden sollte.

Es sollte zudem nicht vergessen werden, dass die Abtreibung entgegen Ihren Andeutungen nicht einfach eine "Alternative" zur Verhütung ist. Eine Abtreibung ist immer noch ein schwerer medizinischer Eingriff. Dieser Eingriff kann weitreichende psychische und physische Folgen zeitigen, über welche umfassend aufzuklären der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin aus gesetzlichen Gründen verpflichtet ist. Es ist also kaum anzunehmen, dass die Entscheidung für oder gegen die Abtreibung leichtfertig gefällt wird.
Oliver aus Zürich - jf 23. Februar 2010 Verstoss melden
@ Herr Oliver
Sie erwähnen die Fristenregelung, was meiner Meinung nach nicht ganz korrekt ist. Die Fristenregelung hat mit der diskutierten Vorlage nichts zu tun. Auch nach Annahme der Vorlage kann man unter Berücksichtigung des Art. 119 STGB strafffrei abtreiben. (Der gesunde Menschenverstand der Politiker gebietet es) (http://www.admin.ch/ch/d/sr/311_0/a119.html) Mir ist dieser Volksentscheid durchaus bekannt, ich würde auch nicht im Traum daran denken, an diesem zu rütteln. Nur geht es bei dieser Diskussion um die Finanzierung der Abtreibung über die GV. Jene Frauen welche sich dazu entschliessen würden innerhalb gegebener Frist abzutreiben, würden das auch weiterhin straflos tun können. Mit Annahme der Vorlage würde sich das nicht ändern.
Was sich aber ändern würde, wäre die Finanzierung über die GV. Wer ein Kind abtreiben würde, müsste die Kosten selber bezahlen. Sie haben Recht, wenn Sie von einem schweren medizinischen Eingriff sprechen, der die Mutter sowohl psychisch wie auch physisch schwer belasten kann. Man darf aber nicht vergessen, dass es sich dann aber um einen freiwilligen und nicht notwendigen Eingriff handelt. Vergleichen wir es mit einer Schönheits-OP. Hierbei handelt es sich auch um einen schweren medizinischen Eingriff, jener wird aber nicht von der GV übernommen (Irrtum vorbehalten).
Wenn die Abtreibung aber aus medizinischen Gründen (Gesundheit der Frau) notwendig wird, ist straffreies abtreiben möglich und die Kosten würden von der GV übernommen. (Nochmals: Der gesunde Menschenverstand gebietet es eigentlich).
Charles Schnyder von Wartensee - JCVP 23. Februar 2010 Verstoss melden
Liebe Frau Kusano
Wieder bleibt mir nichts anderes als zu sagen, dass ich Ihrem Einwand vollstes Verständnis entgegenbringen kann. Abtreibungen hat und wird es immer geben, das ist mir durchaus bewusst. Allerdings ist es nicht das Ziel der Vorlage, Abtreibung zu verunmöglichen oder gar zu verbieten.
Da es sich bei der Abtreibung aber nicht um einen notwendigen Eingriff handelt, sollen die Kosten auch selber getragen werden. Sollte eine Abtreibung aus medizinischen Gründen notwendig sein, würden die Kosten auch weiterhin von der GV übernommen werden.
Es geht also nicht darum, die Abtreibung abzuschaffen oder zu verbieten, es geht vielmehr um einen moralischen Aspekt.

Beste Grüsse
Charles Schnyder von Wartensee - JCVP 23. Februar 2010 Verstoss melden
Liebe Frau Kusano
Frauen unterbrechen ihre Schwangerschaft nicht, sie beenden sie. Das Leben für dieses Kind geht nicht mehr weiter. Das Wort überlebenswichtig finde ich auch nicht sehr passend. Die Mutter entscheidet sich nämlich einfach dagegen.
Auch eine Frau entwickelt sich in diesen neun Monaten, nicht nur das Kind. Ich könnte ihnen unzählige Beispiele aufzählen von Frauen die es zwar nicht einfach hatten, aber froh sind nicht abgetrieben zu haben. Finanzielle Not spricht nie gegen das Leben. In der Schweiz sowieso nicht.
Abgetrieben wurde immer, das ist wohl so. Richtig wird es dadurch nie.
Sie schrieben auch folgendes: So oder so kann ich sagen, es gibt wirklich nichts unmenschlicheres, als von einer Frau zu verlangen, dass sie ein ungewolltes Kind austrägt. Die körperlichen Veränderungen sind so massiv, so einschneidend, das kann man einfach keiner Frau auferzwingen.
Es ist einfach die Konsequenz und es ist das natürlichste der Welt ein Kind auszutragen und zu gebären. Nicht alle Kinder sind Wunschkinder. Es gibt die Möglichkeit ein Kind zur Adoption freizugeben.
Wussten sie dass ein 16-jahriges Mädchen abtreiben kann ohne dass seine Eltern es erfahren?
Es kann aber weder einen Computer kaufen noch sein Stimmrecht ausüben.
Das möchte ich mit Krankenkassenprämien nicht mitfinanzieren!
Franziska Remund 23. Februar 2010 Verstoss melden
Schade dass sie anderen Menschen das Recht auf Selbstbestimmung nehmen wollen und eine dermassen wichtige und schwerwiegende Entscheidung von der Finanziellen Kapazität abhängig machen (wobei ich nochmals betonen möchte, dass Ihre Einstellung zum "finanziellen Glück in der Schweiz" nach wie vor nicht nachvollziehen kann) weil Sie Leben höher werten als Sterben, obschon diese Wertung unmöglich auf Tatsachen beruhen kann. Mitunter frage ich mich sogar ob es nicht einfach nur Geiz ist.


Mé La - Piraten 1. März 2010 Verstoss melden
Ich muss sagen, ich bin schockiert, mit welcher Leichtfertigkeit hier der Wert des Lebens relativiert wenn nicht gar abgesprochen wird!

Es ist doch schlicht absurd, Leben nicht höher gewichten zu wollen als Sterben. Klar das eine bedingt das andere, aber ich kenne niemanden, der ohne psychische Probleme lieber das Sterben wählen würde... Auch ist mir nicht wirklich geläufig, dass bei der Entstehung von Leben und bei Geburten regelmässig gejubelt wird, wenn das Baby tot zur Welt kommt bzw. dass an Beerdigungen gefeiert wird, weil das Sterben höher zu werten ist als das gerade zu Ende gegangene Leben... Leben steht am Anfang, Sterben am Ende, wie kann es da schwer fallen, eine Gewichtung zu akzeptieren?

Recht auf Selbstbestimmung... Und was ist mit der Selbstbestimmung des ungeborenen Kindes?? Ein Kind braucht NIE finanziellen Überfluss, alles was ein Kind braucht ist die LIEBE seiner Mutter und seines Vaters - und das ist meines Wissens absolut kostenlos!



Adrian Zehnder 5. März 2010 Verstoss melden
Ich empfinde es als grundsätzlich verantwortungslos ein Kind abzutreiben, ein Menschenleben zu beenden.

Es lässt sich durchaus darüber diskutieren, ob in gewissen Situationen eine Abtreibung vollzogen werden soll (Vergewaltigung, Komplikationen für die Mutter, ...), aber aufgrund des Selbstbestimmungsrechts zu fordern, dass jede Frau "nach Lust und Laune" abtreiben kann, und das auch noch fremdfinanziert wird, das geht auch mir zu weit!

Das Selbstbestimmungsrecht setzt nach meinem Verständnis in erster Linie eine gewisse SelbstVERANTWORTUNG voraus. Aus dieser - so müsste man wenigstens meinen - ist zu schliessen, dass jede Frau und jeder Mann wissen muss, dass Sex immer zu einer Schwangerschaft führen kann. Wenn tatsächlich Pannen passieren, gibt es ja bereits die "Pille danach", die auch keine Krankenkasse bezahlt - und da reklamiert keiner, es ist selbstverständlich! Aber eine Abtreibung müsste dann plötzlich bezahlt werden...??

Ich teile Ihre Ansichten, Frau Remund!
Adrian Zehnder 5. März 2010 Verstoss melden
Es tut mir leid, wenn Sie meine Meinung schockiert.

Es ist für mich nunmal schlicht frei von jedem empirischen Grund, Leben höher zu gewichten als Sterben. Es mag vielleicht aus unserer Sicht, aus der Perspektive des einzelnen einfachen Menschen etwas Unglaubliches sein und uns Anlass geben, uns über das Leben zu freuen und den Tod zu betrauern, aber gemessen am Werden und Vergehen dem alles unterworfen ist, ist keiner der beiden "(un)Zustände" richtiger als der andere.

Recht auf Selbstbestimmung - ein gutes Thema: Der Fötus, der mehr einer Urkreatur als einem Mensch gleicht, von dem wir nicht wissen ob er fühlen, denken oder irgendetwas begreifen kann, soll also mehr wert sein als die Freiheit einer handelnden, fühlenden und 100%ig schützenswerten Person? Ich verstehe nich wie man aufgrund einer Annahme einer Anderen Person Vorschriften machen will.

Ich verstehe auch nicht warum die Pille danach (welche nach der Vereinigung von Samen und Eizelle eingesetzt wird) ok ist, und eine Abtreibung nicht. Haben Sie irgendwo einen Spick mit dem Minutenplan ab wann man von Schützenswertem Leben sprechen kann?

Dass ein Kind nur von Luft und Liebe leben kann ist mir neu. Nahrung, Kleidung, Sicherheit, Geborgenheit, Soziale Strukturen, Bildung etc ist meines Wissens nach auch nicht ganz gratis.

Ob man von etwas wirklich Menschlichem reden kann oder ob es einfach nur eine Sauce aus Samen und Eizelle ist, ist doch gar nicht belegt. Woher diese absolute Sicherheit?

Keine Frau treibt "aus Lust und Laune" ab. Ich wundere mich sehr über dieses Weltbild. Das ist kein Spaziergang zum Kosmetiker sondern ein schmerzhafter und mit moralischen Konflikten belasteter Eingriff der alles ander als "nach Lust und Laune" durchgeführt wird, sondern eher "aus Last und Leiden".

Selbstverantwortung, ok. Finde ich gut. Aber muss denn aus jedem kleinen Fehltritt oder aus jedem Präservativfabrikationsfehler gleich ein "unglaublich heiliges Menschenleben" auf die Welt gezerrt werden, selbst wenn die Frau dabei quasi als Gebährmaschine missbraucht wird weil man sie finanziell zur Geburt drängt?

Übrigens: der Stand der Dinge im Augenblick ist bereits so, dass die Finanzierung über die Grundversicherung läuft. Das kommt nicht erst neu. Nein Sie haben sich bereits "schuldig" im "Sinne Ihrer eigenen Anklage" gemacht und finanzieren mit Ihren Prämien (falls Sie sie denn selber bezahlen) bereits seit Jahren Abtreibungen.

Sind Sie darum ein schlechterer Mensch?
Ich denke nicht. Andernfalls müsste ich mich wohl auf der Stelle aufgrund der Tatsache dass ich mit meinen Steuern Waffen und Armee finanziere selber verurteilen.

Demokratie ist für die Minderheit durchaus kein Zuckerschlecken (glauben Sie mir, das kann ich spätestens seit dem letzten Jahr gut nachvollziehen), aber ich denke es belastet das von uns allen finanzierte System absolut unnötig, eine Diskussion deren Beschluss gefasst wurde noch einmal aufs Tapet zu bringen und dabei erst noch auf nicht vorhanden Einsparungsmöglichkeiten hinzuweisen, denn defakto ist eine Geburt teurer als eine Abtreibung, und daran lässt sich jetzt nicht rütteln.







Mé La - Piraten 5. März 2010 Verstoss melden
(Bezüglich Selbstbestimmung:) Das ist doch keine Wertungsfrage, was bzw. wer mehr "wert" ist, ein Fötus oder eine, wie Sie es sagen, handelnde, fühlende und 100%-ig schützenswerte Person! Es lässt sich eigentlich in keinen Umständen ein Menschenleben gegen ein anderes ab- oder aufwiegen! ("Un-"eigentlich sind dann die Beispiele, in welchen dann die Frage gestellt wird, ob man bereit wäre ein anderes Leben auszulöschen um das eigene zu retten [Schiffsplanke trägt nur einen, es sind zwei im Wasser], etc.). Aber - und das sagt auch der Initiativtext - es geht ja gerade nicht um Fälle, wo bspw. das Leben der Mutter durch eine Schwangerschaft und oder Geburt gefährdet wäre. Die Wertung ist in diesen Fällen zugunsten der Mutter eher vertretbar nach dem Motto, die Mutter retten, oder beide verlieren.

Allerdings geht es bei der "Freiheit" zu entscheiden, wie Sie es proklamieren darum, dass nur die (für uns [!!] wahrnehmbar) handelnde, fühlende 100%-ig schützenswerte Person tatsächlich eine Entscheidung treffen kann! Der Fötus hingegen ist der Entscheidung der werdenden Mutter ausgeliefert! Entsprechend finde ich es genauso falsch, nur der Mutter ein Selbstbestimmungsrecht einzuräumen, dem Fötus hingegen nicht. Im Prinzip müsste man ja die Ansicht vertreten, dass jeder Fötus das selbe Recht auf eine faire Chance zu leben hat.

(Zur Pille danach:) Die Pille danach wird in der Regel eingeführt, BEVOR eine Befruchtung stattgefunden hat! Die Ovaluation wird verzögert oder gehemmt, je nach Präparat (so sagt es zumindest Wikipedia: und ich gehe davon aus, dass die das nicht Grundfalsch sehen). In diesem Zusammenhang sehe ich auch weniger ein Problem, da gerade eben verhindert wird, dass eine befruchtete Eizelle entstehen kann, woraus dann ein Mensch entstehen würde. (Allerdings bin ich davon überzeugt, dass es auch Personen gibt, die die Pille danach als wider die Natur betrachten und daher ablehnen würden, da ein Eingriff gemacht wird, welcher die Entstehung von Leben verhindert)

Ich bin entsprechend ganz klar der Ansicht, dass eine befruchtete Eizelle bereits die Qualifikation - wenn man das so sagen kann - "Mensch" und auch einen entsprechenden Schutz verdient.

(Zu Kinder, Luft und Liebe:) Das ist war, aber das einzige was ein Kind von seinen wirklich braucht, ist geliebt zu werden! Alles andere lässt sich - und da Teile ich die Ansicht von Frau Remund - zumindest in der Schweiz kein wirklich ernst zu nehmendes Argument! Sicherlich bedeutet Kinder zu haben auch einen finanziellen Mehraufwand hinzunehmen - ich weiss wovon ich spreche, ich bin auch mit einem gesegnet - und ich streite auch nicht ab, dass die Umstände sehr widrig und schwierig sein können, aber ich wehre mich vehement gegen das Vorschieben von zu hohen Kosten als Rechtfertigung dafür, ein Kind abzutreiben!! Wenn man sich ehrlich darum bemüht, gibt es immer Möglichkeiten von staatlichen oder institutionellen Organisationen und Hilfswerken Unterstützung zu bekommen - alles andere müssen Sie mir schwarz auf weiss belegen, bspw. dass ein Kind verhungert ist, weil zuwenig Geld da war für Essen oder weil es nicht in die Schule gehen konnte, die sowieso kostenlos ist in der CH, oder nichts anzuziehen hatte. Geborgenheit und Sicherheit, welche ein Kind durch aus auch braucht, kostet auch nichts! Einem Kind ist es egal, wie viel Geld Mami oder Papi zur Verfügung haben, solange es weiss, dass es geliebt wird.

Da ich dieses "Finanzargument" so nicht gelten lassen kann, habe ich auch die Wendung "nach Lust und Laune" verwendet, was zugegebenermassen wohl auch nicht in jedem Fall zutrifft, vielleicht trifft es auch in den wenigsten Fällen zu, aber das ist der Eindruck, welcher vermittelt wird, wenn diese Argumente so gelesen werden... Ich hoffe sehr, dass jede Frau moralisch Schwierigkeiten hat und diesen Schritt nicht leichtfertig macht - alles andere würde ihr selber das Recht zu Leben absprechen!

(Zum "unglaublich heiligen Menschenleben":) ja, ich bin der Ansicht, dass jedes einzelne Menschenleben auf diesem Planeten an und für sich "unglaublich heilig" ist, weil es ein Wunder ist, dass so etwas komplexes und wundervolles überhaupt möglich ist und existieren kann! Insofern ja, bin ich der Ansicht, dass jeder "Präservativfabrikationsfehler" oder jede entsprechende Falschanwendung oder Nichtanwendung, die eine natürliche Befruchtung nach sich zieht, unbedingt ein "unglaublich heiliges Menschenleben" hervorbringen muss!!

Ich bin mir durchaus bewusst über den Stand der Dinge, wie Sie es treffend bezeichnen. Und ja, insofern muss ich mir die Schuld eingestehen, Abtreibungen mitfinanziert zu haben. Allerdings bietet sich jetzt die Chance, daran etwas zu ändern! Dass, wenn ich die Abtreibung nicht verhindern kann, wenigstens nichts dafür bezahlen muss...

Und wenn diese Initiative auch nur eine einzige Frau - und sei es halt aus finanziellen Gründen - gegen eine Abtreibung entscheidet und bspw. für eine Adoption oder das Kind gar selber behält, dann hat sich m.E. der ganze Aufwand gelohnt, dann hat nämlich ein weiteres "unglaublich heiliges Menschenleben" die Chance, die Welt ein kleines Stück besser zu machen!

Dessen ungeachtet möchte ich doch angemerkt haben, dass ich eine Frau nicht als schlechten Menschen ansehe, weil sie eine Abtreibung hat machen lassen! Ich verurteile nicht die Einzelperson, die abtreibt, dazu genötigt oder sich dazu gezwungen sieht. Ich verurteile aber entschieden die Ignoranz und die Nichtachtung und Nichtwürdigung des menschlichen Lebens, welche vor allem durch eine Abtreibung gezeigt wird!

Ich bemitleide Menschen, welche sich zu einer Abtreibung entschliessen, weil ihnen etwas vom Wunderbarsten, was das eigene Leben zu bieten hat, entgeht - um nicht zu sagen, dass sie es wegwerfen!!

Dass die Demokratie vor allem für die Minderheit nicht immer lustig ist - da stimme ich Ihnen zu - hat das letzte Jahr mehr als deutlich gezeigt...
Adrian Zehnder 5. März 2010 Verstoss melden
@Ch. Schnyder. „...um einen freiwilligen und nicht notwendigen Eingriff handelt. Vergleichen wir es mit einer Schönheits-OP.“ Da werde ich echt hässig! Jede Frau, die sich zum Abbruch entscheidet, empfindet die Beendigung ihrer ungewollten Schwangerschaft (evtl. trotz bester Verhütung!!!) als absolut notwendig, sonst würde sie sich nicht dazu entscheiden. Es ist unakzeptabel, das mit einer Schönheitsoperation zu vergleichen. Im Übrigen hat das Schweizer Volk mit der Fristenregelung auch zur Zahlungspflicht der Grundversicherung mit 72% Ja gesagt. Das war integrierender Bestandteil der Abstimmungsvorlage!
Anne-Marie Rey 11. Juni 2010 Verstoss melden
Mir scheint, wer hier für diese Initiative spricht, tut dies letztlich aus moralischen Gründen – Abtreibung ist schlecht, also sollen Frauen das selbst ausbaden. Moralin. Getroffen würden einzig die ohnehin schon Benachteiligten. In den USA hat sich eine Frau, die das Geld für den Abbruch nicht beschaffen konnte, im 5. Monat in den Bauch geschossen... Wollen wir das hier in der Schweiz ?

Frauen haben ein Recht auf IHR Leben (damit meine ich nicht bloss das biologische Leben). Und ungewollte Schwangerschaft kann ihre Lebensperspektiven zerstören und ist ein krank machender Zustand.
Anne-Marie Rey 11. Juni 2010 Verstoss melden
Wir haben darüber abgestimm, das ist korrekt. Das ändert aber nichts an meiner Meinung. Und ich gebe Ihnen Recht, für mich sind da vor allem auch moralische /ethische Gründe relevant.

Ich möchte dem Leben eine Chance geben. Mir ist aber bewusst, dass ich in dieser Diskussion als Mann sowieso schon mal den kürzeren gezogen habe. Da bleibt mir nichts anderes überig, als meine moralischen / ethischen Ansichten auch so auf mein eigenes Leben zu übertragen.
Alles andere wäre selbstverleugnung.

Charles Schnyder von Wartensee - JCVP 11. Juni 2010 Verstoss melden
Da sind wir jetzt auf dem Punkt: Diese Initiative ist total verlogen. Die Initianten tun als ginge es um Kostenersparnis im Gesundheitswesen - ein total läppisches Argument, denn in dieser Beziehung bringt die Initiative überhaupt nichts. Es geht um ethische Fragen. Ehrlicherweise müssten sie also eine Initiative für die Abschaffung der Fristenregelung lancieren. Aber weil das politisch nicht geht, versucht man wenigstens den legalen Weg zum Schwangerschaftsabbruch für Unbemittelte zu versperren (die können dann halt wieder in der Illegalität bei billigen Pfuschern abtreiben oder mit Hausmittelchen probieren. Ich finde das nicht eben moralisch...
Anne-Marie Rey 11. Juni 2010 Verstoss melden
Ich unterstütze dies Initiative bloss aus den von mir genannten Gründen. Beim Kostenargument denke ich so wie Sie und sage das auch jedem Befürworter der Initiative, der damit Kosten einsparen will...
Charles Schnyder von Wartensee - JCVP 11. Juni 2010 Verstoss melden
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1 Kommentar
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Nein, eben nicht. Getroffen würden einzig die ohnehin schon Benachteiligten. In den USA hat sich eine Frau, die das Geld für den Abbruch nicht beschaffen konnte, im 5. Monat in den Bauch geschossen... Oder die Frauen würden wieder zu Seifenlauge und Stricknadeln greifen oder sich zweifelhafte Pillen im Internet besorgen - und oft mit gefährlichen Komplikationen im Spital landen. Das würe dann allerdings die Versicherung teurer zu stehen kommen, als die 400-1500 Franken für einen legalen Abbruch.
Anne-Marie Rey 11. Juni 2010 Verstoss melden
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Ungewollte Schwangerschaften kommen vor und sind - genau wie die Entscheidung zu einer Abtreibung - eine grosse Belastung für die Frau. Kaum eine Frau entscheidet sich leichtsinnig zu diesem Schritt und trägt dieses Ereignis häufig ein Leben lang in Form eines schlechten Gewissens mit sich mit. Reicht das nicht aus resp. ist das nicht schon zu viel? Und kennen Sie einen Mann, dem es auch so geht?

Wer sich für eine Abtreibung entscheidet, tut dies aus einer Notsituation heraus auch wenn das Kind nicht durch eine Vergewaltigung gezeugt wurde! Darum würden Abtreibungen auch gemacht werden, wenn sie nicht mehr von der Grundversicherung bezahlt werden, doch unter schlechteren Bedingungen und unter grösseren Risiken für die Frauen. Ob da Geld zu sparen ist, bezweifle ich!

Eine Annahme der Initiative würde bedeuten, dass sich reiche Frauen eine korrekt durchgeführte Abtreibung und eine entsprechende Nachbetreuung leisten können. Weniger gut Situierte treiben nicht ab (und kommen so in noch grössere finanzielle, psychische Probleme) oder tuen es irgendwie, irgendwo unter miserablen Bedingungen mit häufig schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen, die dann von der Krankenkasse übernommen werden müssen.

Ich bin erstaunt, dass diese Diskussion wieder aufs Tapet kommt, denn hinter den vermeintlichen Sparbemühungen verstecken sich einzig die Abtreibungsgegner, die noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen sind und sich noch nicht mit ihrer politischen Niederlage von 2002 (Annahme der Fristenlösung durch das Volk mit 72% und Ablehnung der Initiative "Mutter und Kind" 82%) abgefunden haben.

Die Wahl zu haben, das ist doch eine wirkliche Errungenschaft! Niemand, der nicht will muss abtreiben. Gleichzeitig haben diese Leute nicht das Recht über andersdenkende zu bestimmen und ihnen ihren Willen aufzuzwängen.

Umso stossender finde ich diese Debatte, da "potenzsteigernde Mittel" wie Viagra von der Grundversicherung übernommen, die überteuerten Verhütungsmittel aber ausgeschlossen sind.
4 Kommentare
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Ein wahres Wort!
Mé La - Piraten 18. Februar 2010 Verstoss melden
sie schreiben:
Wer denkt dadurch würden weniger Abtreibungen gemacht und mehr "glückliche" Kinder geboren, täuscht sich.

Das ist ihre Annahme, woher wollen sie das wissen?
Ist ein Wunschkind automatisch glücklich?

weiter schreiben sie:
Die Wahl zu haben, das ist doch eine wirkliche Errungenschaft! Niemand, der nicht will muss abtreiben. Gleichzeitig haben diese Leute nicht das Recht über andersdenkende zu bestimmen und ihnen ihren Willen aufzuzwängen.

Diese sogenannte Errungenschaft sehen viele nicht als solche. Ihr Aussage über Andersdenkende nicht bestimmen zu wollen trifft zu. Dann akzeptieren sie sicher dass nicht alle Abtreibungen mitfinanzieren möchten.

Ich bin dankbar wird dieses Thema mit dieser Initiative wieder aufgerollt. Denn das ist keine Zeiterscheinung vom 21.Jahrhundert sondern die Frage ob wir über Leben entscheiden dürfen.



Franziska Remund 19. Februar 2010 Verstoss melden
Ein Wunschkind muss nicht zwangsläufig glücklich sein, aber ein Heimkind hat bedeutend mehr Hürden zu überwinden bis zu seinem Glück... Das ist keine Annahme, das ist logisch. Wir sind Säugetiere und wir benötigen die volle und uneingeschränkte Aufmerksamkeit und Aufopferung der Eltern, und das über Jahre hinweg. Wie kann man sich das Recht herausnehmen, anderen Menschen diese Bürde aufzuzwingen?

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt haben wir als Bewohner eines Industriestaates mitten in Europa das Privileg, bereits tagtäglich für den Tod anderer Menschen "verantwortlich" zu sein, und dafür zahlen wir sogar:
Wir bezahlen Kaffee, wir bezahlen Früchte, wir bezahlen Zucker, wir bezahlen für Öl, wir finanzieren unentwegt Ausbeutung und Vernichtung... Die Globalisierung lässt uns die Konsequenzen auf anderen Erdteilen zwar nicht spüren, aber wer mit offenen Augen durch die Welt schreitet sieht, dass unsere Dekadenz ständig Tote fordert. Ich finde wer Abtreibungen nicht bezahlen will, der darf sich auch viele andere Güter nicht leisten können.... Wer A sagt muss auch B sagen...

Es ist keine neumodische Erscheinung. Noch heute gibt es kleine Kinderfriedhöfe hinter Klostermauern... Wir entscheiden bereits tagtäglich über anderes Leben, nur sollten wir endlich Verantwortung dafür übernehmen...

Mé La - Piraten 20. Februar 2010 Verstoss melden
Weniger Abtreibungen würden wohl vorgenommen. Ob es mehr "glückliche" Kinder gibt - naja? Obschon das beim Abtreibungszeitpunkt kaum definiert ist. Aber die Chance ist gross, dass man sich vielleicht eher über die Konsequenzen Gedanken macht?
Samuel Mettler - EVP 27. Mai 2010 Verstoss melden
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